#NieMehrFacebook

Komplexe Zusammenhänge sind nicht schnell erklärt. Aber es gibt immer wieder gute Anlässe, die als erhellende Beispiele taugen.

Wenn Du auf YouTube nach Rezos Video „Die Zerstörung der CDU“ suchst …

*klick* https://www.youtube.com/results?search_query=…

… fällt bei dieser Suche vor allem eins auf (Stand Mai 2019):

Das eigentliche Video wird gar nicht gefunden!

… also erst auf einem Platz weit unten wird es angezeigt.

Das entlarvt das System der „Sozialen Medien“:

Die „Aufregung-Steigerung“ ist abgeflacht (nach inzwischen 9,3 Millionen Zugriffen), also wird das Video nach YouTube-Maßstäben uninteressant.

Außerdem wird kein Geld damit verdient (keine Werbung war geschaltet).

Daher wird das Video in den Suchergebnissen dramatisch nach unten gespült – selbst bei einer expliziten Suche nach dem Titel.

Bei facebook arbeiten ganz ähnliche Verfahren – vielleicht besteht da ein prinzipielles Missverständnis:

facebook ist keine „Website“, auf der Du Texte veröffentlichst und dann annehmen darfst, dass diese Texte auch Deine Freunde und Bekannte erreichen.

Das ist nicht der Fall. Wirklich nicht.

facebook wird Deinen Text nur etwa zehn Prozent (***) Deiner „follower“ anzeigen und prüft dann erst einmal die Relevanz des Beitrages, wie „interessant“ der Beitrag für Deinen „Bekanntenkreis“ ist: Wann (1) hat wer (2) wie schnell (3) und wie (4) darauf reagiert?

Allen anderen Deiner „follower“ wird der Beitrag erst dann angezeigt, wenn facebook der Meinung ist, dass Deine Bekannte (follower) sich dafür auch „wirklich“ interessieren.

Kurzform: https://www.youtube.com/watch?v=oC6S8Up2L90

Was macht das so gefährlich?

facebook entscheidet, was „interessiert“. Das ist eine Art Zensur. Wir lassen also ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen unseren inhaltlichen Diskurs bestimmen (der im übrigen durch Geld beeinflusst werden kann).

Außerdem geht es facebook nicht um „reale Argumente“, sondern um die Erregungskurve. Je „aufregender“ eine Neuigkeit ist, desto relevanter scheint sie für facebook zu sein –  letztens habe ich den Begriff „industrialisierte Erregungswirtschaft“ gelernt ;-)

Kann so überhaupt noch „Konsens“ entstehen über „real“ wichtige Themen – also Themen, die außerhalb der „facebook-Realität“ wichtig sind? facebook lässt die Gesellschaft in Kleingruppen zerfallen (das sind diese „Echokammern“), die dann meist nicht mehr miteinander reden, sondern nur noch übereinander (unversöhnlich).

Warum? Für die überwältigende Mehrheit der Menschen ist es einfach freudvoller und bequemer, die eigene Meinung bestätigt zu bekommen als sich mit einer abweichenden Meinung oder „fremden“ Argumenten auseinander zu setzen.

facebook weiß das. facebook lebt davon.

Vermutlich kommt daher auch das drogenähnliche Suchtverhalten bei der Verwendung von facebook (das ist kein Scherz): Anerkennung der eigenen Position, Selbstvergewisserung und „Lob“ (Glücksmomente durch Likes und positive Kommentare): all diese Emotionen liefert facebook. Und zwar jedem. Egal wie irre die eigenen Überzeugungen sind. facebook findet für „jedes Tierchen sein Pläsierchen“.

facebook kann ich nicht ändern (dafür sind die zu gut abgeschottet ;-) Und ob eine Verstaatlichung dieses grotesken Apparates zielführend wäre, wage ich zu bezweifeln: Eine Maschinerie, die (fast) alles über die Menschen weiß, in staatlicher Hand? Eine Horrorvorstellung. „1984“, Stasi und Gestapo lassen grüßen.

Das einzige, was ich also machen kann, ist zu versuchen vor den Gefahren zu warnen und selbst Enthaltsamkeit zu üben.

Deswegen möchte ich auch Dir eher davon abraten, facebook zu verwenden.

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