Problematische Bankverbindung

Meine Anfrage an den Kundenservice der ZEIT

Sehr geehrter Kundenservice,
vielen Dank für „ZEIT Digital“, das ich in den letzten Tagen bereits nutzen durfte.

Gestatten Sie mir nur die Anfrage, ob es Ihnen möglich wäre, mir eine alternative Bankverbindung – neben der einzigen angegebenen – zum Begleichen des Rechnungsbetrages zukommen zu lassen.

Tatsächlich widerstrebt es mir, Geldmittel an ein Bankhaus zu transferieren, das nicht nur in der letzten Zeit in so vielfältiger Weise nachgewiesen hat, wie global schädlich gewissenloses Handeln sein kann, das ausschließlich dazu dient, kurzfristigen Profit zu generieren.

Denken Sie bitte an

  • zwielichtiges Geschäftsgebaren („Verdacht der Geldwäsche in Millionenhöhe“)
  • gesellschaftsschädigendes Verhalten („mutmaßlicher Steuerbetrug in Milliardenhöhe durch CUM-EX-Geschäfte“)
  • beliebig gewissenlose Investitionen in Unternehmungen, die unseren Lebensraum nachhaltig zu vernichten trachten („Förderung von Palmöl-Monokulturplantagen“, „Verdrängung des Regenwaldes für Bergbau“ sowie „Klimaschädliche Investitionen“ etwa als größter Investor in Kohle)

Dazu verweise ich auf Artikel Ihrer ZEITung

  • Die gejagten Jäger Die Zentrale der Deutschen Bank wurde wegen möglicher Geldwäsche durchsucht. Der Vorstand steht im Verdacht, die Aufklärung behindert zu haben. So gelingt kein Neuanfang.
  • Ermittler durchsuchen den zweiten Tag Deutsche Bank Die Großrazzia bei der Deutschen Bank dauert an. Wegen des Verdachts der Geldwäsche in Millionenhöhe ermittelten Fahnder auch in den Räumen des Bank-Vorstands.
  • Razzien bei der Deutschen Bank In Frankfurt am Main und weiteren Städten werden Räume der Bank durchsucht. Laut Staatsanwaltschaft sind Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche der Grund.
  • Schaden durch neuen Steuertrick noch nicht zu beziffern Mit Phantomaktien sollen Banker und Aktienhändler Millionen an Steuergeld erschlichen haben. Das Finanzministerium muss das Ausmaß noch ermitteln. Die Politik reagiert.
  • Cum Ex: Ermittler durchsuchen Großkanzlei Freshfields zum zweiten Mal Anwälte von Freshfields berieten Banken zu Cum-Ex-Geschäften, durch die dem Staat Milliarden verloren gingen. Behörden ermitteln deshalb auch gegen die Kanzlei.
  • Die infizierte Bank Cum-Ex-Skandal, Teil 2: Wo der Griff in Europas Steuerkassen begann, der die Bürger viele Milliarden Euro gekostet hat. Und wie einige Banker damit groß Karriere machten.
  • Cum-Ex: Der Coup des Jahrhunderts Ganz Europa wurde von Steuerräubern geplündert. Auch weil Deutschland die Partnerländer erst viel zu spät warnte, entstand ein Schaden von mindestens 55 Milliarden Euro.

Nahelegen möchte ich den Gedanken, Ihre eigene Geschäftsbeziehung zu dieser Institution zweifelhaften Rufes zu überdenken.

Wenn sie jemals an einen „mündigen Konsumenten“ geglaubt haben, der durch sein Konsumverhalten Dinge zu verändern sucht, nun, hier schriebe einer.

Mit freundlichen Grüßen,
Hans vom Schloß


Die ZEIT reagierte schnell und professionell

Sehr geehrter Herr vom Schloss,
vielen Dank für Ihren Hinweis.

Wir haben Ihre Anregung entsprechend weitergeleitet.

Vorerst können wir Ihnen jedoch keine andere Bankverbindung zur Überweisung Ihres ZEITdigital-Rechnung anbeiten.

Bitte teilen Sie uns daher das weitere Vorgehen mit.

Bei Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Bitte behalten Sie bei Ihrer Antwort Ihre ursprüngliche Anfrage/Nachricht bei, da wir Ihre Anfrage sonst nur mit Verzögerung bearbeiten können.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Kundenservice der digitalen ZEIT


Meine Antwort

Sehr geehrter Kundenservice,
haben Sie vielen Dank für Ihre Zeit und Mühewaltung im Rahmen der aufgeworfenen Fragestellung!

Ihrer Darstellung der eingeschränkten Handlungsoptionen durch die Konzentration auf eine einzelne Bankverbindung folgend, möchte ich darum bitten, eine der folgenden Alternativen aufgreifen zu wollen.

Barzahlung. Natürlich käme es meinem persönlichen Interesse entgegen, einmal das Helmut-Schmidt-Haus in Hamburg zu besuchen, um die Rechnung „ZEIT Digital Abonnement“ bar zu begleichen. Gleichwohl mache ich mir natürlich keine Illusionen darüber, dass ein modern geführtes Medienunternehmen wie das des Zeitverlags noch über so etwas Antiquiertes wie eine Barkasse verfüge.

Rücktritt. Lieber verzichtete ich auf das „ZEIT Digital Abonnement“ als durch die lässliche Bequemlichkeit der Überweisung an das fragliche Bankhaus die Ernsthaftigkeit meiner Anfrage zu unterminieren. Sollten unser beider Handlungsspielräume also hinreichend ausgeschöpft sein, so bitte ich herzlich darum, dass von mir am 04.12.2018 bestellte Abonnement – heute zum 18.12. wohl noch innerhalb der Kündigungsfrist – wieder aufheben zu wollen.

Wenn Sie mir eine freie Interpretation des Neoliberalisten Lindner gestatten: „Es ist besser, nicht zu bezahlen, als falsch zu bezahlen“ ;-)

Und doch. In der Betrachtung dieser – aus Ihrer Sicht vielleicht absurden – Situation eines freundlich-querulanten Nicht-Abonnenten, stelle ich mir die Frage, inwieweit das selbstgeschaffene Regelwerk einer modernen Gesellschaft unseren persönlichen Handlungsspielraum einschränkt, dringend notwendige Veränderungen anzustoßen – hier in der Rolle des „mündigen Konsumenten“.

In einem viel beachteten Artikel der ZEIT [1] wird der Begriff der „mittleren Vernunft“ aufgegriffen als ein (vermeintlich) vernünftiges Handeln innerhalb des Regelwerkes moderner Wirtschaftssysteme. Stellen wir unser aller „vernünftiges Handeln“ innerhalb einer Ökonomie, deren Antrieb der Irrglaube an ewiges Wachstum ist, jedoch in einen größeren Kontext, wird unsere gefährliche Selbsttäuschung erkennbar – Ihr Artikel fragt „Was aber, wenn die mittlere Vernunft einen extremen Wahnsinn verhüllt?“

Bitte sehen Sie meine E-Mails daher als einen Versuch, diesen „Wahnsinn“ nicht nur zu entlarven, sondern ihm entgegenzuwirken mit den wenigen Mitteln, die mir zur Verfügung stehen: mit der Hoffnung auf Einsicht in die Notwendigkeit zur Veränderung.

Mit freundlichen Grüßen,
Hans vom Schloß

[1] ZEIT vom 25. Oktober 2017, Bernd Ulrich: Die Wahrheit auf sechs Beinen


Glückliches Ende

Der Kundenservice der ZEIT reagierte elegant: Sie boten Kreditkartenzahlung an ;-)


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